Muss man wissen

Brauner Sozialismus: Waren Hitler und die Nazis Sozialisten? Ein Faktencheck.

Nazis Links Sozialisten

Vorwort

Wir distanzieren uns ausdrücklich von dem verbrecherischen Unrechtsregime der Nazi-Diktatur. Die hier aufgeführten und historisch relevanten Quellen dienen nur der wissenschaftlichen Recherche.  Bei diesem Artikel soll es nur um die Frage gehen, ob Hitler und die Nazis aus dem Sozialismus kamen, Sozialisten waren und Sozialismus wollten. 

Waren die Nazis Sozialisten?

Die kurze Antwort auf diese Frage laute: Eher Ja, vor allem in der Anfangszeit. 

Die DAP (später NSDAP) wurde von dem Sozialisten Anton Drexler gegründet. Er war auch Vorsitzender der NSDAP, bis Hitler den Vorsitz übernahm. Drexler förderte Hitler in der damals noch kleinen nationalsozialistischen Bewegung. Er galt als Hitlers Mentor.

Anton Drexler schrieb in seiner Veröffentlichung „Mein politisches Erwachen; aus dem Tagebuch eines deutschen sozialistischen Arbeiters“ (Im Kapitel: 13. Ausbeuter und Ausgebeutete): Es gibt eine Parole, die euch zusammenführt und die heißt: „Sozialismus und Kommunismus im Geiste Christi, des hervorragendsten Charakters der Weltgeschichte” (Quelle).  Auch sonst ist dieses Schriftstück voller Belege sozialistischen Gedankenguts.

In der Schrift wird auch deutlich, dass Drexler den Kapitalismus mit dem Judentum verband und auch deshalb bekämpfen wollte. Als Grundsatz für das neue Reich wird hier die Bekämpfung des Judentums, die Aufhebung der Klassen, die Errichtung eines sozialistischen Volkes und der Glaube an das Volkstum formuliert . 

Hitler fühlte sich zu dem Gedankengut der frühen NSDAP hingezogen. Den ersten Kontakt zur NSDAP (bzw. vor der Namensumbenennung DAP – Deutsche Arbeiterpartei) hatte Hitler, als Gottfried Feder im Bayrischen Sterneckerbräu über das Thema „Wie und mit welchen Mitteln beseitigt man den Kapitalismus?“ referierte.  (Quelle)

Auch im Laufe der Geschichte der NSDAP kommen die sozialistischen Wurzeln zum Vorschein. Z. B. in dem 25 Punkte Wahlprogramm der NSDAP, wo man von Grund- und Boden-Enteignungen, Verstaatlichungen von Trusts, Gewinnbeteiligung an Großbetrieben, Kommunalisierung der Warenhäuser, die Brechung einer Zinsknechtschaft, Ersatz der materialistischen Weltordnung, Todesstrafe für Wucher und Schieber, Gemeinnutz vor Eigennutz, Stärkung des Staatsapparates spricht. (Quelle).  Dies sind alles  deutlich sozialistische Forderungen.

Die Nazis haben sich untereinander Genossen (Parteigenossen) genannt. Es ist ein typischer Begriff linker Parteien und geht auf die SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) zurück, die 1875 gegründet wurde (Quelle).

Die später regierende SPD war zu Begin der Weimarer Republik sehr links/sozialistisch und wollte sich für das Wohl des Arbeiters einsetzen. Der Gründer der NSDAP prangerte an, dass sich die Situation der (Bahn-)Arbeiter aber nicht sonderlich verbesserte, trotz der Versprechen der Sozialisten. Anton Drexler bemängelte, dass sich sozialistische Politik international ausrichtetet und empfand dies als Verrat, da für ihn das eigene Volk zu kurz kam (Quelle).  Er wollte das sich der Sozialismus an den nationalen Interessen orientiert (deshalb auch der Begriff  nationalsozialistisch später im Namen der Partei).  

Sozialistische Themen waren auch im Werdegang der NSDAP immer wieder wichtig. Historiker sind sich einig, dass Hitler später sozialistische Politik zurückschraubte, weil er auf Geldgeber der Industrie angewiesen war. So wurden wesentliche Punkt des sozialistischen Grundsatzprogramms aufgeweicht.

Die Entstehung der Nazis und die Bewegung hätte aber vermutlich keine Chance ohne den immer wieder beworbenen Sozialismus, wie man Propagandamaterial eindeutig entnehmen kann (z. B. gegen Hochfinanz, Antikapitalismus, gegen uneingeschränkten Handel, Befreiung des Arbeiters, Gemeinschaftsgedanke, mehr Rente etc.). Sozialismus war zentrales Thema, und von daher sind die alten Nazis aus heutiger Sicht eher als links einzuordnen. Einschränkend kann man hier aber auch sagen, dass die Nazis später versucht haben, andere Gesellschaftsströmungen und Gesellschaftsschichten anzusprechen, so dass sie auch deren Themen für sich nutzbar machten. 

Fragen und Antworten: 

Aber geht es dem Sozialismus nicht um die Macht des Volkes anstelle eines Diktators? 

Die gefährlichsten Diktatoren und Autokraten des 20. Jahrhunderts waren überwiegend Sozialisten. Hitler (Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei), Saddam Hussein (Arabische Sozialistische Baath-Partei), Slobodan Milošević (Sozialistische Partei Serbiens), Mao (Kommunistische Partei Chinas), Stalin (Kommunistische Partei der Sowjetunion), Erich Honecker (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), Nicolae Ceausescu (Rumänische Kommunistische Partei), Mengistu haile Mariam (Arbeiterpartei Äthiopiens), Pol Pot (Kommunistische Partei Kampucheas) und andere waren alles Autokraten, Diktatoren und Faschisten. 

Rechts bedeutet doch gegen Sozialismus. Wie kann dann Hitler rechts gewesen sein?

Rechts bedeutet tatsächlich stark konservativ und gegen Sozialismus. Nach dieser Definition war Hitler eher links. Die Partei NSDAP empfand sich ursprünglich eher mittig.  In der Vorkriegszeit gab es viele starke sozialistische/kommunistische Strömungen, von daher könnte man sagen, war die Mitte damals eher aus heutiger Sicht linksorientiert. 

Aber der Rassenwahn ist doch eindeutig rechts?

Nicht per Wörterbuch. Rechts bedeutet laut Wörterbuch stark konservativ und gegen Sozialismus.  Rassenideologien gab es außerdem auch bei anderen linken Terrorregimen. Selbst heute noch: Siehe die Umerziehungslager für Uiguren in China, die Mehrheit der jüdischen Publizisten fielen den stalinistischen Säuberungen zum Opfer (Quelle),  Stalin hat auch Völkermord an den Ukrainern begangen, Milosovic (Sozialistische Partei Serbiens) hat ethnische Säuberungen durchgeführt, Mengistu haile Mariam (Arbeiterpartei Äthiopiens) wurde wegen Völkermordes verurteilt. 

Wieso bezeichnet man Nazis als rechts?

Vielleicht wollte man nach dem Krieg davon ablenken, dass die Nazis ihren Ursprung im Sozialismus hatten, eventuell auch, um Befindlichkeiten des Siegers Sowjetunion zu berücksichtigen. 

Ursprünglich kommt der Begriff „Rechts“ und „Links“ von der Sitzordnung des französischen Parlaments nach dessen Revolution 1789 bis 1799. Rechts saßen eher die, die für den Erhalt von Klassen/Monarchie waren und links diejenigen, die keine Klasse/Monarchie wollten. Die NSDAP war aber gegen eine Klassengesellschaft und für die Abschaffung von Klassen. Sie wollte die klassenlose Volksgemeinschaft. Hitler hasste die Habsburgermonarchie, so der Historiker Hans Mommsen (Quelle).

Von daher müsste man die Nazis auch eher als links bezeichnen.

Auch wenn wir den Begriff „Rechts“ neuzeitlich sehen, ist rechts eher konservativ (Erhaltung des bestehenden) und links eher revolutionär im Sinne eines kommenden Sozialismus /Kommunismus. Auch aus dieser Sicht sind die Nazis eher links einzuordnen, da sie das bestehende System umgestürzt haben und zu früher Zeit etwas sozialistisches Neues schaffen wollten.

Rechts aus heutiger Sicht bedeutet auch: Weniger Staat und mehr wirtschaftliche Freiheit des Einzelnen. Dies war bei den Nazis eher unerwünscht. Hier ging es vielmehr um mehr Macht für den Staat und mehr Regulierung des Einzelnen. Also auch aus dieser Sicht sind die Nazis eher links. 

Woher kommt dann der Begriff rechtsextrem?

Rechtsextrem ist eine Neuwortschöpfung und bezeichnet alles, was ein Nazitum verkörpert. Der Begriff wurde erschaffen, um alles zu kennzeichnen, dass so ist, wie die Nazis waren. In erster Linie meint der Begriff den übertriebenen Nationalismus, der andere Nationen missachtet. Rechts und rechtsextrem (bzw. Rechte und Extreme Rechte) sind zwei verschiedene Wörter mit völlig anderer Bedeutung.

Aber die Kommunisten und Sozialisten wurden in der NS-Zeit verhaftet und teilweise ermordet. Wie erklären Sie das?

Die Nazis machten einen Unterschied zwischen dem internationalem Sozialismus/Kommunismus  und einem nationalem Sozialismus/Kommunismus.

Sie betrachteten den internationalen Sozialismus als Gefahr für die Nation. Die Nazis glaubten, dass der versprochene Sozialismus der Weimarer Republik nicht erfüllt worden ist. In den frühen Jahren regierte die SPD,  die sehr links und Befürworter einer „sozialistischen Republik“ war (Quelle). Den Nazis ist aufgestoßen, dass die Sozialdemokraten sich zuviel um die Belange andere Länder kümmerten, anstelle die des eigenen Volkes. Deshalb festigte sich die Idee des nationalen Sozialismus (Quelle). Die Nazis fühlten sich von dem roten Sozialismus / Kommunismus (von denen auch jüdischen Bolschewismus genannt) betrogen. Sie wollten ihren eigenen Sozialismus/Kommunismus, der vor allem dem eigenen Volk dient (deshalb auch die Namensgebung Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei).

Die Beseitigung eines anderen (angeblich roten/jüdischen) Sozialismus / Kommunismus führte letztendlich auch zu der Verhaftung dieser Anhänger (inklusive der Sozialdemokraten).

Weiter sei angemerkt, dass sich Revolutionäre unterschiedlicher Strömungen schon immer gegenseitig bekämpft haben. Es ist also kein Widerspruch, wenn Hitler (internationale) Sozialisten, Kommunisten oder Sozialdemokraten einsperren ließ. 

Auch Stalin unternahm Säuberungen anderer linker Gruppen, wie z. B. die linken Sozialrevolutionäre, die schon frühzeitig im Gulag landeten. 

Nachwort

Dieser Artikel kann gerne geteilt und verbreitet werden, um mehr Wahrheit in die Debatte zu bringen. Gewalt, Meinungsunterdrückung, ein autoritärer Staat, ein diktatorisches System und andere Verbrechen der NS-Zeit basieren, wie dieser Artikel zeigt, nicht auf rechten (konservativen) Gedankenmodellen, sondern eher auf linkem Sozialismus. Hitler und der Nationalsozialismus sind also eher dem linken Spektrum zuzurechnen. Rechtsradikal ist nicht gleich rechts, sondern eher links (auch wenn sich das paradox anhört.) 

– Alle Angaben ohne Gewähr.