Ein Faschist ist ein Anhänger des Faschismus. Die Bewegung des Faschismus wurde von dem ehemaligen Sozialisten Benito Mussolini gegründet. Er gab dem Faschismus seinen Namen.
Vorher gehörte er dem radikal-linken Flügel der Sozialistischen Partei Italiens an (Italienische Sozialistische Partei (italienisch: Partito Socialista Italiano, kurz PSI) und war ab 1912 Chefredakteur der sozialistischen Parteizeitung Avanti! 1913 gründete und leitete er seine eigene radial-sozialistische Zeitung Utopia. Seine Idee war, die Linke zu vereinen und eine sozialistische Revolution bzw. Umsturz auszulösen.
1914 empfand ihn seine Partei als zu radikal und schloss ihn aus.
Der Grund für den Ausschluss aus der Italienischen Sozialistischen Partei war, dass Mussolini sich für den Kriegseintritt in den Ersten Weltkrieg aussprach. Mussolini sah den Krieg als Sprungfeder für eine sozialistische Revolution. Mit ihm konnten seiner Meinung nach Massen mobilisiert werden, die für den revolutionären Kampf nötig seien. Zudem sei der Kampf gegen Österreich-Ungarn und Deutschland auch ein Schlag gegen die Monarchie und konterrevolutionäre Kräfte. (Quelle: Artikel von Mussolini in Il Popolo d’Italia vom 15. November 1914 | Link)
Kurz vor und nach dem Ausschluss aus der Sozialistischen Partei Italiens gründeten Mussolini und seine Mitstreiter linksradikale Gruppierungen oder schlossen sich ihnen an, z. B. den Fasci d’Azione Rivoluzionaria oder den Fasci d’Azione Internazionalista. Ziel war es, die Massen für den sozialistischen Kampf zu mobilisieren. Der Begriff Fascio bedeutet aus dem Italienischen übersetzt „Bündnis“ oder „Bündel“ und stammt vom lateinischen Fasces, was „Rutenbündel“ bedeutet.
Bereits viele Jahre vor Mussolini benutzten linke italienische Gruppen den Begriff Fascio für ihre eigenen Gruppierungen. Er war ein Symbol der Auflehnung gegen die herrschende Klasse und ein klassischer Begriff für die Solidarisierung von Arbeitern oder Revolutionären. Fascio bzw. das lateinische Fasces ist auch der Ursprung des Wortes Faschismus. Das Rutenbündel ist auch in der Symbolik der Faschisten wiederzuerkennen, da Mussolini diese übernahm.
Das Symbol wurde in linken Kreisen bereits in der Ersten Französischen Republik benutzt, die aus der Französischen Revolution (ca. 1789–1799) hervorging. Die Grundidee war, dass eine einzelne Rute leicht brechen kann, viele gebündelte Ruten jedoch unzerbrechlich sind. Man verstand es als Symbol für den Zusammenhalt der Unterdrückten.
1919 gründete Mussolini die Fasci italiani di combattimento („übersetzt italienische Kampfverbände“). Sie bestand anfänglich überwiegend aus Anhängern des Gewerkschafts-Sozialismus. Ziel war es, Italien aus der wirtschaftlichen und sozialen Krise der Nachkriegszeit zu führen. Dafür wollten sie die Mitte-Rechts-Regierung stürzen und linke Politik machen.
Das Programm dieser Organisation kann man hier sehen:

FASCI ITALIANI DI COMBATTIMENTO – Zentralkomitee
MAILAND – Via Paolo da Cannobbio, 37 – Telefon 7156
Italiener!
Dies ist das nationale Programm einer gesunden italienischen Bewegung. Revolutionär, weil antidogmatisch und antidemagogisch; stark innovativ, weil unvoreingenommen. Wir stellen die Bedeutung des revolutionären Krieges über alles und jeden. Die anderen Probleme: bürokratische, administrative, juristische, schulische, koloniale usw. werden wir angehen, wenn wir die herrschende Klasse geschaffen haben.
Deshalb WOLLEN WIR:
Für das politische Problem
a) Allgemeines Wahlrecht mit regionaler Listenwahl, mit Verhältniswahlrecht, Stimmrecht und Wählbarkeit für Frauen.
b) Das Mindestalter für Wähler auf 18 Jahre herabgesetzt; das für Abgeordnete auf 25 Jahre herabgesetzt.
c) Die Abschaffung des Senats.
d) Die Einberufung einer Nationalversammlung für die Dauer von drei Jahren, deren erste Aufgabe es ist, die Verfassungsform des Staates festzulegen.
e) Die Bildung von technischen nationalen Räten für Arbeit, Industrie, Verkehr, soziale Hygiene, Kommunikation usw., gewählt von den Berufs- oder Handwerksverbänden, mit legislativen Befugnissen und dem Recht, einen Generalkommissar mit Ministerbefugnissen zu wählen.
Für das soziale Problem
WIR WOLLEN:
a) Die baldige Verkündung eines Staatsgesetzes, das für alle Arbeiter den gesetzlichen achtstündigen Arbeitstag festlegt.
b) Mindestlöhne.
c) Die Beteiligung von Arbeitnehmervertretern an der technischen Betriebsführung der Industrie.
d) Die Übertragung der Verwaltung von Industrien oder öffentlichen Dienstleistungen an die proletarischen Organisationen selbst (sofern sie moralisch und technisch dazu würdig sind).
e) Die rasche und vollständige Neuordnung der Eisenbahner und aller Transportindustrien.
f) Eine notwendige Änderung des Gesetzentwurfs zur Invaliditäts- und Altersversicherung, indem die derzeit vorgeschlagene Altersgrenze von 65 Jahren auf 55 Jahre herabgesetzt wird.
Für das militärische Problem
WIR WOLLEN:
a) Die Einrichtung einer nationalen Miliz, mit kurzen Ausbildungszeiten und einer ausschließlich defensiven Aufgabe.
b) Die Verstaatlichung aller Waffen- und Sprengstofffabriken.
c) Eine Außenpolitik, die darauf abzielt, die italienische Nation im friedlichen Wettbewerb der Zivilisation in der Welt zur Geltung zu bringen.
Für das finanzielle Problem
WIR WOLLEN:
a) Eine starke, außerordentliche Kapitalsteuer mit progressivem Charakter, die die Form einer echten TEILWEISEN ENTEIGNUNG allen Reichtums annimmt.
b) Die Beschlagnahme aller Güter der religiösen Kongregationen und die Abschaffung aller bischöflichen Tafeln (Mensen), die eine enorme Belastung für die Nation und ein Privileg einiger weniger darstellen.
c) Die Überprüfung aller Kriegslieferungsverträge und die Beschlagnahme von 85 % der Kriegsgewinne.
Aus dieser Bewegung heraus wurde 1921 die Faschistische Partei Italiens entwickelt (italienisch Partito Nazionale Fascista). In deren Parteiprogramm vom November 1921 finden sich dann aber wesentlich weniger linke Positionen. Auch die anfängliche Politik entsprach eher nicht der eines typischen Sozialisten, sondern machte Rechten (viele Zugeständnisse). Dies mag auch daran liegen, dass Mussolini große Zuwendungen aus der Industrie erhalten hat.
Ganz anders bei Hitler und den Nationalsozialisten. Die Industrie hat sich gegen Hitler ausgesprochen und stand später unter seiner Kontrolle. Linke Politik der Umverteilung zu Ungunsten des rechtsstehenden Bürgertums wurde umgesetzt. Sozialismus wurde vorangetrieben, eine Kommando- und Planwirtschaft wurde zunehmend etabliert. Alte Eliten wurden eingeschränkt, für eigene Zwecke missbraucht oder entmachtet. Leute, die den Sozialismus der NS-Regimes schwächen wollten, wurden beseitigt, wie z. B. Gregor Strasser, der von der Industrie mit mindestens 10.000 Reichsmark monatlich bestochen wurde, um den Sozialismus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei einzufangen, und der dafür plädierte, der Industrie entgegenzukommen. Er war also kein Anführer eines angeblichen linken Flügels der NSDAP, des sogenannten Strasser-Flügels, sondern eher einer, der eher rechtsstehend war. Dies ist auch so eine Lüge, die verbreitet wurde: Angeblich habe Hitler die sozialistischen Elemente mit dem Strasser-Mord beseitigt. Das Gegenteil war der Fall.
Jedenfalls hat Hitler eindeutig linke Politik betrieben:
Hierzu einige Zitate von anerkannten Historikern:
Prof. Dr. Peter Hoeres | Historiker und Politikwissenschaftler | Leiter des BMZ-Projekts zur globalen Aufarbeitung von Diktaturvergangenheiten:
Es gibt natürlich auch eine gewisse Konvergenz zwischen Stalin und Hitler innerlicher Art. Stalin war ja auch immer stärker antisemitisch geworden. Hat immer stärker die Juden verfolgt auch. […] Aber auch im Polen der Nachkriegszeit, im sozialistischen Polen, finden wir ganz stark Antisemitismus der Kommunistischen Partei Polens auch noch. […] Was Weidel falsch gemacht hat, war zu sagen, Hitler war Kommunist. Das stimmt halt nicht. Weil er wollte die Kommunisten vernichten, aber was er war: Er war ein spezifischer, er hat eine spezifische Form des Sozialismus verkörpert und auch umgesetzt. Auch eine Aufstiegsmobilität, eine Überwindung der Klassen- und Standesschranken vor allem. Früher im Militär war es undenkbar, dass man als Bürgerlicher im Kaiserreich aufgestiegen ist. Das war jetzt auch gar kein Problem mehr. […] Bei Mussolini war sehr interessant, wie stark Hitler den italienischen Faschismus verabscheut hat. Warum? Weil der italienische Faschismus dieses Bündnis ja geschlossen hat mit den Mächten, die Hitler eigentlich auch erledigen wollte, er hat es nur nicht geschafft. Also mit dem Königtum, den gab es in Deutschland nicht mehr, aber auch mit der Kirche. […] Da gab es schon markante Unterschiede zwischen den beiden. Deswegen ist es schwierig, von einem deutschen Faschismus zu sprechen.“ (Quelle: Youtube | Apollo News | Peter Hoeres im Gespräch | Link)
Sebastian Haffner (1907-1999) | Historiker | Zeitzeuge | Welt-und-Stern-Kolumnist | Träger des Heinrich-Heine-Preises der Stadt Düsseldorf und des Johann-Heinrich-Merck-Preises | Floh 1938 vor dem NS-Staat nach Großbritannien | Winston Churchill war so beeindruckt von Haffners NS-kritischem Buch „Germany. Jekyll and Hyde” (von 1940), dass er das Buch zur Pflichtlektüre für die Minister seines Kriegskabinetts machte.
„Die einzigen innenpolitischen Gegner oder Konkurrenten, mit denen Hitler im Jahre 1930–34 ernsthaft zu rechnen und zeitweise zu kämpfen hatte, waren die Konservativen. […] und dabei blieb es auch in der Zeit seiner unumschränkten Macht nach 1934.” […] Es war die einzige Opposition, die ihm bis zum Schluss zu schaffen machte. Die Einzige, die eine, wenn auch geringe, Chance hatte, ihn zu Fall zu bringen. Und die wenigstens einmal den Versuch dazu machten. Und diese Opposition kam von rechts. Von ihr aus gesehen stand Hitler links. […] Hitler ist keineswegs so leicht als extrem rechts im politischen Spektrum einzuordnen, wie es viele Leute heute zu tun gewohnt sind. Er war natürlich kein Demokrat. Aber er war ein Populist. Ein Mann, der seine Macht auf Massen stützte, nicht auf Eliten. Im gewissen Sinne ein zu Macht gelangter Volkstribun. Sein wichtigstes Herrschaftsmittel war Demagogie und sein Herrschaftsinstrument war keine gegliederte Hierarchie, sondern ein chaotisches Bündel unkoordinierter, nur durch seine Person an der Spitze zusammengehaltener Massenorganisationen. Alles eher linke als rechte Züge. Offensichtlich steht Hitler in der Reihe der Diktatoren des 20. Jahrhunderts irgendwo zwischen Mussolini und Stalin. Und zwar bei genauerem Hinsehen, näher bei Stalin. Nichts ist irreführender, als Hitler einfach einen Faschisten zu nennen.” (Quelle: Vortrag zum Buch „Anmerkungen zu Hitler“ (1978) von Sebastian Haffner | Originalton: Link)
Dr. Dr. Rainer Zitelmann | bekannter Politikwissenschaftler und Historiker
„Und er (Hitler) hatte Sorge, dass, wenn er alles verstaatlicht, von einem Tag auf den anderen, es keinen Wettbewerb mehr gibt. Dies war der Grund, warum er skeptisch war, alles zu verstaatlichen. Aber … seine Einstellung zu der Frage, freie Wirtschaft, Planwirtschaft, die Rolle des Staates, änderte sich ein bisschen in den 30ern/40ern, weil Stalin mehr und mehr sein Vorbild wurde und er mehr und mehr die Planwirtschaft der Sowjetunion bewunderte. Das ist das, was in den 30ern und vor allem in den 40ern passierte.”
[…]
„Sicherlich, als er (Hitler) sich mit der Sowjetunion und mit Stalin im Krieg befand, konnte man kein positives Wort von ihm über Stalin in der Öffentlichkeit in seinen Reden hören, aber im engsten Kreis war es verboten, etwas Negatives über Stalin zu sagen …”
[…]
„… sagte er (Hitler): >>Nachdem der Krieg gewonnen ist, müssen wir viel mehr in die Richtung einer Planwirtschaft gehen, weil nur eine Planwirtschaft unsere Probleme lösen kann.<<”
Quelle: Freie Übersetzung ins Deutsche aus einem englischen Interview auf Youtube (hier):
Wie wir sehen, gab es Unterschiede zu Hitler. Während Hitler seiner sozialistischen Idee treu blieb, gab es eine etwas andere Entwicklung bei Mussolini.

Mehr hierzu finden Sie in diesem Artikel: Nationalsozialisten waren Linke.


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