Politische Bildung

Viele Linke wissen nicht, wofür die Deutschlandfahne (Schwarz-Rot-Gold) steht

Die Farben Schwarz-Rot-Gold gehen auf eine militärische Uniform zurück. Diese war schwarz, hatte rote Ränder und goldene Knöpfe. Sie wurde von freiwilligen Soldaten getragen, die unter dem Freiheitskämpfer Ludwig Adolf von Lützow gegen Napoleon kämpften. 

Napoleon war ein General, der aus der Französischen Revolution hervorging. Die Französische Revolution war die Geburtsstunde der Linken, die versuchte, den Unterprivilegierten zu helfen und die Monarchie zu stürzen. Links im Parlament saßen die Monarchiegegner und rechts die Befürworter der Monarchie. Aber so wie in diversen linken Regimen üblich, wurden die vermeintlichen Befreier selbst zu Priviligierten und Unterdrückern. Auch Napoleon, der für die Erste Französische Republik angetreten war, krönte sich später selbst zum Kaiser und wurde eine Art despotischer, diktatorischer Monarch, der seine imperialistischen Feldzüge auch nach Deutschland führte. 

Die Soldaten im Lützow-Regiment kämpften gegen Napoleon für Freiheit, Bürgerrechte und ein geeintes Deutschland, das damals aus vielen Fürstentümern bestand.

1815 gründeten Studenten eine Vereinigung, die sich für das Ziel einer deutschen Einheit einsetzte. Es waren Studenten, die vormals unter Lützow dienten. Sie nutzen daher die Farben schwarz, rot und gold für Ihre Bewegung. Diese Studentenvereinigung nennt man heute auch Urburschenschaft. 

1817 veranstalteten sie das Wartburgfest, bei dem auch Studenten aus diversen deutschen Gebieten eingeladen wurden.

Als Folge dieses Treffens wurden Grundsätze festgelegt und niedergeschrieben, z. B. 

  • „Freiheit und Gleichheit ist das Höchste, wonach wir zu streben haben […]. Aber es gibt keine Freiheit als im Gesetz und durch das Gesetz, und keine Gleichheit als mit dem Gesetz und vor dem Gesetz. Wo kein Gesetz ist, da ist keine Gleichheit, sondern Gewalttat, Unterwerfung, Sklaverei.“ 
  • „Der Wille des Fürsten ist nicht das Gesetz des Volkes, sondern das Gesetz des Volkes soll der Wille des Fürsten sein.”
  • „Jeder, von welchem der Staat Bürgerpflichten fordert, muss auch Bürgerrechte haben.“ 
  • „Vorrechte sind mit der Gerechtigkeit unvereinbar. Wo es Bevorrechtigte gibt, da muss es auch Beeinträchtigte geben. Dem Recht muss die Pflicht gegenüberstehen. Größere Rechte können im Staate nur diejenigen haben, die größere Pflichten haben.“ 
  • „Das erste und heiligste Menschenrecht, unverlierbar und unveräußerlich, ist die persönliche Freiheit. Die Leibeigenschaft ist das Ungerechteste und Verabscheuungswürdigste, ein Greuel vor Gott und jedem guten Menschen.“ 
  • „Den Leibeigenen muss in der verkündeten Freiheit keine Sklaverei erwachsen. Der Mensch ist nur frei, wenn er auch Mittel hat, sich selbst nach eigenen Zwecken zu bestimmen.“
  • „Das Recht, in freier Rede und Schrift seine Meinung über öffentliche Angelegenheiten zu äußern, ist ein unveräußerliches Recht jedes Staatsbürgers.“
  • „Von dem Lande oder Ländchen, in welchem wir geboren sind, wollen wir niemals das Wort Vaterland gebrauchen. Deutschland ist unser Vaterland; das Land, wo wir geboren sind, ist unsere Heimat. …

Die preußische Regierung reagierte erbost auf diese Studentenrevolte und fühlte sich an die linksradikale Gruppe der Jakobiner aus der Französischen Revolution erinnert. Die Jakobiner waren die treibende Kraft hinter der Massenvernichtung von Aristokraten, Kirchenleuten, Konterrevolutionären und einfachen Kritikern. Alles im Namen von linken Idealen wie Gerechtigkeit und Gleichheit.

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. wähnte gar, beim Wartburgfest sei zum Aufstand aufgerufen worden und verlangte, dass man diese Vereinigungen verbieten solle.

1818 folgte die Auflösung der Studentenverbindung. Sie wollte einem Verbot zuvorkommen und löste sich selbst auf. Sie glitten in den Untergrund ab und organisierten sich dort weiter. 

Die aufkommende Industrialisierung, Missernten und der strenge Winter 1830 sorgten für eine Verarmung der Bevölkerung. Durch die hohen Steuern und Zölle in den deutschen Kleinstaaten verschärfte sich die Situation. Lebensmittel wurden teuer. Aufstände gegen die Obrigkeit im Ausland bestärkten den Willen in der Bevölkerung, sich auch auf deutschem Gebiet von den Fürsten zu lösen und zu einer nationalen Einheit zu kommen. Es wurden Feste organisiert, die sich für mehr Macht des Volkes und weniger Macht des Adels aussprachen.  Da politische Versammlungen verboten waren, organisierte man große feierliche Feste, um den Charakter der Veranstaltung zu tarnen.  Eines der größten dieser Feste war das Hambacher Fest. Dort wurden schwarz-rot-goldene Abzeichen getragen und schwarz-rot-goldene Fahnen geweht, ganz im Geiste der Urburschenschaft. Es sammelten sich 20.000-30.000 Menschen an der Hambacher Schlossruine. Auch dieses Fest wurde unter anderem von Studenten organisiert. Es ging um das Schließen eines Bundes für mehr Freiheit, mehr Volksmacht, die Einschränkung der Monarchie, Pressefreiheit, religiöse Toleranz, mehr Demokratie, mehr Bürgerrechte, mehr Einheit zwischen den europäischen Völkern und die Überwindung von Kleinstaaten. Dafür stand die schwarz-rot-goldene Fahne. 

Diese Ideen wurden weitergetragen und gipfelten in der Revolution von 1848/1849 (Märzrevolution) bei der sich die Bevölkerung auch mit Waffengewalt gegen den Adel auflehnte, ausgelöst durch die negativen Folgen der Industrialisierung und die Erfolge in der erneuten Französischen Revoltion bei dem der König abgesetzt wurde, nachdem er versuchte alte Vorrechte wieder herzustellen. Die Aufständischen bzw. Revolutionäre forderten eine Verfassung mit mehr Bürgerrechten, Demokratie und der Einheit als Deutsches Reich. Stark an den revolutionären Aktivitäten und Aufständen vor Ort beteiligt waren auch Kreise mit radikaldemokratischen, sozialrevolutionären und frühsozialistischen Zielvorstellungen.

Auf Seiten der badischen Revolutionäre war auch der Sozialist Friedrich Engels aktiv an den Kämpfen beteiligt. Ein Jahr zuvor, im Februar 1848, hatte Engels zusammen mit Karl Marx im Auftrag des Bundes der Kommunisten Das Kommunistische Manifest herausgegeben.

In Preußen war die Revolution von 1848/49 zunächst erfolgreich. So machte der König Zugeständnisse, willigte einem Parlament zu und ließ zu, dass die schwarz-rot-goldene Fahne, also die Fahne der Revolution, gehisst wurde.

Er verlautbarte: „Ich habe heute die alten deutschen Farben angenommen und Mich und Mein Volk unter das ehrwürdige Banner des Deutschen Reiches gestellt. Preußen geht fortan in Deutschland auf.“ – Friedrich Wilhelm IV.

Doch diese Zugeständnisse waren halbherzig. Zwar stellte der König ein geeintes Deutsches Reich, mehr Demokratie und eine Verfassung in Aussicht, doch Vorrechte für Eliten blieben bestehen.  Eine neu errichtete Nationalversammlung wurde kurze Zeit später gewaltsam aufgelöst.

Erst als in der sozialistischen Revolution von 1918 der Adel seine Vorrechte verlor, kam es zu mehr Demokratie. Dies war die Geburtsstunde der Weimarer Republik.

Am 3. Juli 1919 wurde mit einer sehr deutlichen Stimmenmehrheit von 211 Stimmen bei 90 Gegenstimmen die neue schwarz-rot-goldene Flagge angenommen. Eine breite Mehrheit, vor allem aus Sozialdemokraten, stimmte für den Wechsel zu den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold, mit denen auch an die Revolution 1848/1849 erinnert werden sollte. Die SPD war damals für einen demokratischen Sozialismus.

Die Deutschlandfahne wurde zur Nationalfahne.

Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass, wenn Linksradikale heutzutage gegen die Schwarz-Rot-Goldene Fahne protestieren, sie verächtlich machen oder sie sogar in die Nähe der NS-Zeit rücken, sie schlichtweg nicht wissen, wofür die Flagge steht. Die Flagge, die heute von manchen Linksradikalen oder auch gemäßigten Linken abgelehnt wird, wurde 1919 von den damaligen demokratischen Sozialisten der SPD, die dem Marxismus nahestanden, als Nationalflagge gewählt.

Der NS-Staat ließ übrigens die schwarz-rot-goldene Fahne mit dem Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935 als ungültig erklären. Hitler verachtete die Flagge, da sie für Demokratie und die Vereinnahmung der sozialistischen Idee durch den Marxismus stand. Hitler sah den Marxismus als Verrat an, der nur Sozialismus versprach, aber angeblich nur eine Ideologie war, mit der internationale Kapitalisten die Arbeiter zu kontrollieren versuchten. Er wollte deshalb keinen internationalen Sozialismus, sondern nationalen Sozialismus, der nach seiner Ansicht bei der Bevölkerung ankommen würde. Aber auch wenn dies anfänglich geschah, so endete sein Sozialismus, wie bei vielen anderen linken Regimen (vor und nach ihm), in Elend und Leid. 

Siehe hierzu folgenden Artikel

 

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