Muss man wissen

War Hitler Sozialist? Wissenschaftler sagen …

Gibt es einen wissenschaftlichen Konsens bei Historikern und Politikwissenschaftlern, dass Hitler kein Sozialist war? Hierzu einige prominente Stimmen aus der Wissenschaft:

Professor Dr. Hans-Hermann Hoppe | Wirtschaftswissenschaftler und Historiker

Frei übersetzt aus dem Englischen:

Seine Bewegung war definitiv sozialistisch, weil Sozialismus in Hitlers Worten etwas bedeutete, das er immer wiederholte: „Gemeinnutz vor Eigennutz“. Das öffentliche Interesse überragt das individuelle Interesse. Und das war in der Tat Hitlers Grundüberzeugung, die er immer wieder zum Ausdruck brachte: die Unterordnung des Individuums und seiner egoistischen Gefühle unter das Allgemeinwohl, namentlich die Gemeinschaft. Insbesondere die Feindschaft zwischen dem Bürgertum und dem Proletariat muss in der Gemeinschaft der Nationalsozialisten überwunden werden. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ bedeutet insbesondere: Politik dominiert und übertrumpft die Ökonomie. […] Das Interesse des Staates kommt vor dem Interesse des privaten Individuums. […] Hitler bevorzugte vor 1933 den Wettbewerb. Der Grund dafür war seine darwinistische Einstellung. Nach 1933 war er immer mehr dem planwirtschaftlichen Handeln zugeneigt in Übereinstimmung mit seiner allgemeinen Philosophie der Überlegenheit von Politik über Ökonomie.

[…] Und tatsächlich gab es ab 1934 in Deutschland Importkontrollen, der Außenhandel wurde staatsmonopolisiert und es wurden Währungskontrollen, Investmentkontrollen sowie Lohn- und Preiskontrollen eingeführt. Hitlers Position war, dass Unternehmen noch nicht verstaatlicht werden sollten, sondern eventuell erst dann, wenn sie gegen die Interessen des Staates agieren.

[…] Soweit es die Sozialdemokraten betrifft, hielt Hitler die Führer der Sozialdemokraten für ein Problem, nicht die Masse der Parteimitglieder. Und gewiss hatten die Mitglieder der Sozialdemokraten nicht die geringsten Schwierigkeiten, von einer Partei zur anderen zu wechseln. Und nebenbei erwähnt: Bis zum heutigen Tage sind die Bezirke, in denen die Nationalsozialisten die Mehrheit hatten, oft jene, in denen bis zur letzten Wahl die Sozialdemokraten die Mehrheit hatten. […] Die Nationalsozialisten mussten den Marxismus zerstören – nicht trotz, sondern wegen der Ähnlichkeit zu sich selbst. Quelle: Youtube | The Economic Doctrine of the Nazis | Hans-Hermann Hoppe (von 2005)

Diese Zitate von Professor Hoppe  verstehe ich zusammengefasst so: Hitler hatte nicht nur sozialistische Grundüberzeugungen, sondern betrieb auch sozialistische Politik, bei der er die Interessen des Einzelnen unter die des Staates stellte. Nach der Machtübernahme z. B. kontrollierte er die Wirtschaft streng durch staatliche Vorgaben und Pläne. Er bekämpfte den Marxismus, weil er ihm  zu ähnlich war und er ihn als Konkurrenz ausschalten wollte.  


Dr. Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn | Prominenter Staatswissenschaftler, Historiker und Zeitzeuge

Freie Übersetzung aus dem Englischen:

Der Nationalsozialismus wies ein deutliches linkes Muster auf, das sich klar auf die Französische Revolution im Allgemeinen zurückführen lässt.
[…]
„Nationalsozialismus ist Sozialismus in der Evolution“, beharrte Hitler, „Sozialismus im ständigen Wandel.“ Und er gab zu: „Uns eint mehr als uns vom Bolschewismus trennt … vor allem eine echte revolutionäre Gesinnung. Ich war mir dessen stets bewusst und habe angeordnet, dass ehemalige Kommunisten unverzüglich in die Partei aufgenommen werden.“
[…]
Der fundamental linke und identitätspolitische Charakter des Nationalsozialismus ist unbestreitbar. Marxisten versuchten zu beweisen, dass der Nationalsozialismus nur deshalb „von den Reichen finanziert“ wurde, um die Gewerkschaften einzuschüchtern – eine interessante Theorie, die nahelegt, dass politische Überzeugung (und damit Wahlen) lediglich eine Frage des Geldes ist: Je mehr Propaganda, je mehr Plakate und Zeitungsanzeigen, desto sicherer der Wahlsieg. Dies wäre jedoch das stärkste Argument gegen die parlamentarische Demokratie, denn im Lichte dieser Theorie ist der Durchschnittsbürger entweder ein bestechliches Schweinchen oder ein bloßes Echo. Wie Gustav Stolper jedoch gezeigt hat, waren die Nationalsozialisten durchaus in der Lage, sich mit Millionen aus ihren Mitgliedsbeiträgen selbst zu finanzieren. Die Beiträge von Industriellen und Bankiers (einige von ihnen „nichtarisch“) waren von derselben Art wie die Summen, die Ladenbesitzer zaghaft an Gangster zahlten, weil sie der Polizei misstrauten.

Die Wirtschaftsordnung unter den Nazis war, selbst aus wirtschaftlicher Sicht, wahrhaft sozialistisch, denn in einem totalitären Staat besaß der Fabrikant oder Bankier nicht mehr automatisch Immobilien. Er war lediglich Treuhänder, ein geduldeter Repräsentant einer allmächtigen Regierung, die ihn jederzeit enteignen konnte.
Quelle: Aus dem Buch >>Leftism | From de Sade and Marx to Hitler and Marcuse << Kapitel 12: National Socialism and Socialist Racism von Dr. Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn | Herausgegeben 1974 

Zusammengefasst verstehe ich diese Zitate  von Dr. Kuehnelt-Leddihn so: Der Nationalsozialismus war eine linke, revolutionäre Bewegung, die im Sozialismus wurzelte. Nationalsozialisten sahen sich selbst als Sozialisten und das zeigte sich auch in der Wirtschaftspolitik. Diese war sozialistisch, weil Unternehmer keine echte Freiheit besaßen, sondern nur als Verwalter im Auftrag des mächtigen Staates handelten. Die Behauptung von Marxisten, die Nationalsozialisten seien ein Instrument von Reichen gewesen, ist nicht überzeugend und haltbar.


Professor Friedrich August von Hayek | Ökonom und Sozialtheoretiker |  Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften | Träger der Presidential Medal of Freedom | Zeitzeuge

Freie Übersetzung aus dem Englischen:

„Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, den Nationalsozialismus als bloße Revolte gegen die Vernunft, als irrationale Bewegung ohne intellektuelle Grundlage zu betrachten. […]
Es ist schlichtweg Kollektivismus, befreit von allen Spuren einer individualistischen Tradition, die seine Verwirklichung behindern könnte. […]
Nicht allein die Niederlage, das Leid und die Welle des Nationalismus führten zu ihrem Erfolg. Noch weniger war, wie so viele glauben möchten, eine kapitalistische Reaktion gegen den Vormarsch des Sozialismus die Ursache. Im Gegenteil, die Unterstützung, die diese Ideen verwirklichten, kam gerade aus dem sozialistischen Lager. […]
Es ist bezeichnend, dass die wichtigsten Wegbereiter des Nationalsozialismus – Fichte, Rodbertus und Lassalle – zugleich als Väter des Sozialismus gelten. Während der theoretische Sozialismus in seiner marxistischen Form die deutsche Arbeiterbewegung prägte, traten die autoritären und nationalistischen Elemente zeitweise in den Hintergrund. Doch nicht lange. Ab 1914 traten aus den Reihen des marxistischen Sozialismus immer mehr Lehrer hervor, die nicht die Konservativen und Reaktionäre, sondern die hart arbeitenden Arbeiter und die idealistische Jugend in die Reihen der Nationalsozialisten führten. Erst danach gewann die Strömung des Nationalsozialismus an Bedeutung und entwickelte sich rasch zur Hitler-Doktrin. Die Kriegshysterie von 1914, die aufgrund der deutschen Niederlage nie vollständig überwunden wurde, markiert den Beginn der modernen Entwicklung, aus der der Nationalsozialismus hervorging. Und es war maßgeblich mit der Unterstützung alter Sozialisten, dass er in dieser Zeit aufstieg. Quelle: Buch >> The Road To Serfdom : Friedrich A. Hayek von 1944 (ab Seite 167 | Kapitel: Die sozialistischen Wurzeln des Nazitums << (Freie Übersetzung aus dem Englischen)

Der Text von Professor Hayek beschreibt zusammengefasst den Nationalsozialismus als eine Form des reinen Kollektivismus, dessen Wurzeln tief im sozialistischen Denken liegen. Er widerspricht der Ansicht, die nationalsozialistische Bewegung sei gegen den Sozialismus gewesen, und betont stattdessen, dass sie maßgeblich durch die Unterstützung und die Ideen alter Sozialisten groß wurde. 


Dr. Dr. Rainer Zitelmann | Politikwissenschaftler, Soziologe und Historiker

Frei übersetzt aus dem Englischen:

[…] „Sie wollten keinen Kapitalismus. Sie wollen keine freie Marktwirtschaft.”
„Hitler sagte es in einer seiner Reden >> Ich werde den Unternehmen sagen, was sie zu tun haben, und was sie produzieren sollen, und wenn sie sagen, ja wir werden es machen, dann ist es in Ordnung mit mir, dann muss ich es nicht machen, und wenn sie es nicht machen, mache ich es selbst. << So, das bedeutet der Staat. Und das ist exakt die Art, wie er es gemacht hat. Er hatte auch einen 4-Jahresplan. Die kommunistischen Länder hatten diese 5-Jahrespläne”
[…] 
„… ja Adolf Hitler war ein Sozialist, aber ein moderner Sozialist. ” […] „Das ist, was ich die moderne Art des Sozialismus bezeichne, in Kontrast zur traditionellen Art des Sozialismus.” […] „Es ist nicht notwendig, dass der Staat alles besitzt. Man kann es mit Regulierungen, Steuern und und und tun. Und das ist die moderne Form des Sozialismus.”
[…]
„Und er (Hitler) hatte Sorge, dass, wenn er alles verstaatlicht, von einem Tag auf den anderen, dass es keinen Wettbewerb mehr gibt. Dies war der Grund, warum er skeptisch war, alles zu verstaatlichen. Aber … seine Einstellung zu der Frage, freie Wirtschaft, Planwirtschaft, die Rolle des Staates, änderte sich ein bisschen in den 30ern/40ern weil Stalin mehr und mehr sein Vorbild wurde und er mehr und mehr die Planwirtschaft der Sowjetunion bewunderte.  Das ist das, was in den 30ern und vor allem in den 40ern passierte.”
[…]
„Sicherlich, als er (Hitler) sich mit der Sowjetunion und mit Stalin im Krieg befand, konnte man kein positives Wort von ihm über Stalin in der Öffentlichkeit in seinen Reden hören, aber im engsten Kreis war es verboten, etwas Negatives über Stalin zu sagen …”
[…] 
„… sagte er (Hitler): >>Nachdem der Krieg gewonnen ist, müssen wir viel mehr in die Richtung einer Planwirtschaft gehen, weil nur eine Planwirtschaft unsere Probleme lösen kann.<<”
[…]  
„Kommunisten und Nationalsozialisten konkurrierten. Sie waren Rivalen gegen Demokratie, gegen Kapitalismus.”
[…] 
„Es ist ein Missverständnis, dass Hitlers wahrer Beweggrund es war, Kommunismus zu beseitigen. Kommunismus war zwar sein Feind,  aber mehr im Sinne von Rivalen, von zwei totalitären Systemen, die beide versuchen gegen den Kapitalismus vorzugehen.” Quelle: Aus einem englischen Interview auf Youtube (hier): What Modern Socialists Don’t Want You To Know About Hitler | Interview mit Dad Saves America

Diese Zitate von Dr. Dr. Zitelmann verstehe ich zusammengefasst so: Hitler lehnte den freien Kapitalismus ab und zwang Unternehmen durch staatliche Befehle, seine Ziele umzusetzen. Er verfolgte eine moderne Form des Sozialismus, bei der der Staat die Wirtschaft nicht durch direkten Besitz, sondern durch strikte Kontrolle und Planung lenkte. Dabei empfand er Stalin zunehmend als Vorbild und plante, Deutschland nach dem Krieg in eine vollständige Planwirtschaft umzuwandeln.


Prof. Dr. Philipp Bagus | Professor für Volkswirtschaftslehre | Mehrfacher Preisträger (u. a. O.P. Alford III Prize, Sir John M. Templeton Fellowship, IREF Essay Prize) | Ludwig-Erhard-Förderpreis 2016

„Auch in der Praxis ist es ja so gewesen , dass Hitler alle gleich machen wollte. […] Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Das ist die nationalsozialistische Parole. Das ist eine sozialistische Parole. Es gibt dann diese Kraft durch Freude Urlauber, wo alle dann aus den verschiedenen Schichten sollen den gleichen Urlaub haben. Das soll alles gleich sein, von der Wiege, da fängt die nationalsozialistische Erziehung an, bis zum Tod.  Man wird mit den sozialistischen Ideen indoktriniert. Natürlich sind da auch nationalistische Ideen. Es gibt den internationalen Sozialismus und es gibt den nationalen Sozialismus. Natürlich sind die auch Konkurrenten. Ja, das sind Konkurrenten im eigenen Lager und natürlich hassen die sich. Natürlich töten die sich auch gegenseitig. Ja, aber es sind eben Sozialisten. Es besteht da ein Kollektivismus. Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Es wird auch zentral geplant. Ja, es gab da 4 oder 5 Jahrespläne, die gemacht wurden für die deutsche Industrie. Die Industrie wird eben da zentral geplant. Formell bleiben die Unternehmer noch Eigentümer ihrer Unternehmen, aber welche Rohstoffe sie bekommen und welche Arbeiter sie zugeteilt bekommen, das entscheidet eben der Staat, und was sie produzieren sollen. Das entscheidet der Staat. Der setzt die Preise so und teilt die Mittel so ein, dass die Produktion dahin geht, was der Staat sagt. D.h. die Unternehmer werden zu Managern des Staates, eigentlich, der vorgibt, was, wie produziert werden soll. Und das ist alles sozialistisch. […] Hitler war links.” (Quelle: YouTube | War Hitler Links? – Prof. Philipp Bagus Interview | Interview mit Alexander Bieber)

Zusammengefasst erklärt es Prof. Bagus so: Der Nationalsozialismus ist eine Form des Sozialismus. Sie basiert auf Kollektivismus (also Gemeinnutz vor Eigennutz) und beinhaltet zentrale Planung. Obwohl Unternehmer formell Eigentümer blieben, kontrollierte der Staat alle wichtigen Entscheidungen wie Rohstoffzuteilung, Preise und Produktion. Hitler war links, und sein Hass auf den internationalen Sozialismus (Kommunismus) ist reine Konkurrenz innerhalb desselben politischen Lagers. Hitler war links!



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