Gesundheit

Blutdruck senken – Neue Erkenntnisse, Hausmittel und Sofortmaßnahmen

Man spricht von Blutdruck bzw. Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ab Werten von 140/90 aufwärts. Ein Blutdruck zwischen 160 / 100 mm Hg und 179 / 109 mm Hg gilt als mittelschwer. 180 / 110 und drüber als schwerer Blutdruck. 

Den oberen Wert bezeichnet man als systolischen Blutdruck und den unteren als diastolischen Blutdruckwert.

Blutdruck senken

Sind Sie schon krank oder noch gesund?

Was als normaler Blutdruckwert bezeichnet wird, hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Noch vor kurzem galt ein oberer (systolischer) Blutdruck von 100 plus Lebensalter als normal. Im Alter erhöht sich für gewöhnlich der Blutdruck und mit dieser alten Formel wollte man das berücksichtigen, so dass ältere Menschen nicht gleich als krank abgestempelt werden, wenn der Blutdruck leicht erhöht war.

Forscher haben dann aber darauf hingewiesen, dass niedrigere Blutdruckwerte, statistisch gesehen, gesünder seien und das diejenigen mit niedrigerem Blutdruck seltener an bestimmten Herz-Kreislaufleiden erkrankten. Andere Stimmen warnten damals jedoch davor, den Blutdruck nicht zu niedrig einzustellen, weil sonst bestimmte Organe, wie das Gehirn und die Nieren, nicht genügend mit Blut versorgt werden.

Sicherlich könnte man behaupten, dass wenn ein niedrigerer Blutdruck bereits als krankhaft gilt, immer mehr Personengruppen, die vorher als gesund galten, es plötzlich nicht mehr sind. So werden dann immer mehr Personen behandelt und der Absatzmarkt der Medikamente erweitert sich. Die Pharmaindustrie freut sich. In den USA z. B. hat das Gremium der American Heart Association und des American College of Cardiology im November 2017 neue Leitlinien herausgegeben (Link), bei denen ein Wert von 130/80 und höher bereits als Bluthochdruck gelten soll. Ein Wert von 120/80 gilt bei den Amerikanern dann als normal und darüber als erhöht, ab 130 als krankhaft. Somit wären ca. die Hälfte der Amerikaner als bluthochdruckkrank eingestuft. Diese Herabsenkung der Normwerte stieß auf heftige Kritik bei Ärzten in Europa. Mehr zu der Entscheidung in Amerika die Normalwerte für Blutdruck abzusenken, können Sie in diesem Artikel nachlesen. 

Eine vernünftige Blutdrucksenkung kann Leben retten

Ein gesundes Herz-Kreislauf-System ist wichtig. Erhöhter Blutdruck kann tatsächlich schaden. Eine 2018 veröffentlichte Studie zeigt den Nutzen von behandelten Personen gegenüber nicht behandelten Personen (Schaubild der Ergebnisse in dieser Studie). Demnach wirkt sich ein korrekt behandelter und eingestellter Blutdruck positiv auf die Lebenserwartung aus. Medikamente gegen Blutdruck zu schlucken, kann die Gesundheit und Lebenserwartung tatsächlich positiv beeinflussen. 

Krankheiten und Organstörungen als Ursache für höheren Blutdruck

Nicht selten ist ein erhöhter Blutdruck ein Zeichen von einer darunter liegenden Krankheit oder Organstörung.  Schauen Sie sich mit Ihrem Arzt also nicht nur den Blutdruck an, sondern auch die Ursachen.

Unter anderem können folgende Organe bei der Entstehung von Bluthochdruck mitverantwortlich sein: Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm. Diese könnten eventuell entzündet oder krankhaft verändert sein. Eine nähere Untersuchung kann Aufschluss geben. Aber auch andere Organe und Umstände können bei einem Bluthochdruck eine Rolle spielen. 

Cholesterin verschlechtert den Blutdruck, muss aber nicht die Ursache sein

Blutgefäße verengen sich, um mehr Druck aufzubauen, z. B. um Organe besser mit Blut zu versorgen. Hält ein überhöhter Druck an, können Blutgefäße schaden nehmen und es bilden sich kleine Risse in den Blutbahnen (Venen und Arterien). Diese Risse werden mit Cholesterin gekittet. Das Cholesterin ist also auch eine Bandage für die kleinen Verletzungen.

Das Cholesterin kann die Blutgefäße aber derart verstopfen, dass kaum noch Blut durchfließt und es zu einem Herzanfall oder Schlaganfall kommen kann. Aber auch schon vorher kann ein permanent erhöhter Blutdruck Organe schädigen.

Bei der Behandlung nur den Blutdruck und das Cholesterinproblem anzusprechen, ist daher keine Lösung. Man muss sich die Ursachen des erhöhten Blutdruckes ansehen, z. B. Entzündungen bestimmter Organe, um letztendlich den Blutdruck dauerhaft ohne Medikamente in Ordnung zu bringen.

Wer seine Cholesterinwerte verbessern möchte, kann darauf achten, möglichst gute Öle zu sich zu nehmen. gesättigte Fette wie in Fleisch,  Milch und Schokolade  gelten eher als ungesund und schlecht für die Cholesterinwerte.

Blutdruck durch Entzündungen
Im Prinzip kann jede Entzündung im Körper den Blutdruck steigen lassen (Studie / weiterführender Artikel der Hochdruckliga). Es gibt bestimmt Hausmittel, die dem Körper helfen, sich selbst zu heilen und Entzündungen vorzubeugen.

So können Sie Entzündungen natürlich bekämpfen:

  • Intervallfasten: Eine mögliche Methode Entzündungen einzuschränken ist das sogenannte Intervallfasten, also ein tägliches kurzes Fasten z. B. wenn man das Frühstück weglässt und einmal am Tag etwas hungert (Mehr Info in diesem Artikel des ORF). Bei dem kurzen Fasten, gibt man dem Körper die Möglichkeit, sich schneller zu regenerieren (Artikel dazu auch bei GEO). 
  • Gewichtsabnahme.
    Gerade Menschen mit leichtem Blutdruck, die wieder ein normales Gewicht erreichen, haben eine gute Chance auch Ihren Blutdruck zu normalisieren (Studie)

    Der Körper speichert Giftstoffe im Fettgewebe. Diese Stoffe sind entzündungsfördernd (Studie). Das mag daran liegen, dass der Körper Giftstoffe im Fett zwischenspeichert.  Diese Giftstoffe, wenn Sie sich ansammeln und nach und nach ins Blut abgegeben werden,  sind möglicherweise dafür verantwortlich, dass der Blutdruck steigt (StudieStudie).  Bei anfänglicher Gewichtsabnahme können diese Stoffe dann im Umkehrschluss, dazu führen, dass der Blutdruck erst steigt, dann aber im Laufe der Zeit wieder abnimmt, sobald die Giftstoffe ausgeleitet sind. 
  • Antioxidantien, aber nicht zuviel: Antioxidantien findet man in Früchten, Gemüse und grünem Tee. Sie bewahren Zellen vor Stress durch freie Radikale und somit auch vor Entzündungen.  Ein zuviel an Antioxidantien kann aber auch schaden, da der Körper Antioxidantien nutzt, um Bakterien, Viren und  Krebszellen zu bekämpfen – Also eben auch zur Bekämpfung von Entzündungen. Außerdem nutzt Sauerstoff (ein freies Radikal) der Energiegewinnung im Körper.  Aus diesem Grund sollte man ein gesundes Maß einhalten. Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel nicht nötig, wenn man sich gesund ernährt (farbenfroh mit Obst und Gemüse).
  • Schlafen:  Der Körper erholt sich im Schlaf und wenn dieser Schlaf gestört wird, könnte sich das auch auf das Entzündungsgeschehen im Körper auswirken (Studie). Stress steigt, wenn man nicht ausreichend Schlaf hatte. Sorgen Sie deshalb dafür, dass Sie gut durchschlafen können und nehmen Sie auch Nickerchen am Nachmittag (Artikel). 

    Alles was Sie in der Nacht aufweckt, sollte abgestellt werden. Wenn Sie z. B. in der Nacht aufwachen, weil Sie urinieren müssen, wäre es sinnvoll 2 Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu trinken.

    Tipps für einen besseren Schlaf: 1. Ritual vor dem Schlafengehen, 2. Alles abdunkeln, 3.  Störgeräusche einschränken (eventuell sollte der Partner in einem getrennten Bett bzw. Zimmer schlafen), 4.  Kein Internet vor dem Schlafen gehen, 5. Keine aufwühlenden Gespräche, 6. Keine Süßigkeiten, 7. Keine Vitamine kurz vor der Bettruhe (diese können ggf. wacher machen), 8. Körperliche Betätigung wie Sport während des Tages (kann helfen Nervosität abzubauen) 9. Blaufilter auf dem Handy einschalten, 10.  Kombination von Calcium/Magnesium/D3/K2 (Die Nährstoffkombination aus Magnesium und Calcium kann entspannend auf Muskeln wirken. Das D3 und K2 dient der besseren Aufnahme.  , 11. B-Vitamine während des Tages (diese „Nervenvitamine“ helfen Stress abzubauen – Bitte Abends keine Vitamine mehr zu sich nehmen. Am besten Morgens.). 
  • Entzündungshemmende Lebensmittel zu sich nehmen: Dazu sollen gehören: Grüner Saat, Blaubeeren, Ananas, Chia-Samen, Leinsamen, Kurkuma, Chilli, Zimt, Ingwer, Nüsse, Beeren, gesunde Öle.
  • Enzündungsfördernde Lebensmittel vermeiden: Zu den entzündungsfördernden Lebensmitteln sollen gehören: Fleisch, Fisch, Weizen, Zucker, bzw. Süßes, alte Öle (ranzige Öle), frittiertes Fett, Milch und Lebensmittel auf die man allergisch reagiert, sowie Zusatzstoffe, Fungizide und Pestizide in und auf Lebensmitteln). 
  • Pflanzliche anstelle von Proteinen tierischen Ursprungs. Pflanzliche Proteine können laut dieser Studie Herz-Kreislauferkrankungen reduzieren und das Leben verlängern. 
  • Sport: Laut einer Studie der der Deutschen Sporthochschule Köln und der Uniklinik Köln regt Sport entzündungshemmende Immunzellen an.  (Siehe Pressemitteilung)

Blutdruck durch schlechte Darmflora
Eine Studie aus dem Jahr 2017 weißt darauf hin, dass Menschen mit einer guten Darmflora wesentlich seltener Bluthochdruck haben, als Menschen mit schlechter Darmflora. Man hat als Test Mäusen mit guter Darmflora, eine schlechte Darmflora von anderen Mäusen transplantiert. Das Resultat war eindeutig. Die Mäuse welche die schlechte Darmflora bekamen, entwickelten einen hohen Blutdruck.

Wege zu einer besseren Darmflora:

  • Kohlenhydratreduziertes Essen
    Kohlenhydratreiche Nahrung sollte gemieden werden (Weizen, Zucker etc.). D. h. essen sie eher Vollkornbrot, braunen Reis anstatt Weissbrot und weißen Reis. Trinken Sie keine gesüßten Getränke wie z. B. Cola, Bier, Limonade, gesüßten Tee oder Kaffee,  etc. 
  • Fermentierte Nahrung
    Sauerkraut, Gurken, Kefir, Miso (fermentierte Sojabohnen), Joghurt helfen eine gesunde Darmflora aufzubauen, wobei hier lieber auf Lebensmittel zurückgegriffen werde sollte, die nicht tierischen Ursprungs sind. 
  • Präbiotika
    Präbiotika sind Lebensmittel, die das Wachstum und die Aktivität guter Bakterien im Darm fördern. Zu den Präbiotika gehören: Spargel, Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch, Schwarzwurzeln, Artischocken und Bananen.
  • Probiotika
    Dies sind bestimmte Mikroorganismen (z. B. Bakterienstämme, wie Bifi- und Laktobakterien), die eingenommen werden, um zusätzliche Bakterien verfügbar zu machen, damit ein besseres Darmmilleu aufgebaut werden kann. Bestimmte Bakterienstämme werden Lebensmittel zugesetzt oder können direkt als Pille genommen werden. Nicht jeder verträgt Probiotika gleich gut. Für manche Personengruppen bergen die Probiotika auch ein gewisses Gesundheitsrisiko. Sprechen Sie mir Ihrem Arzt, um die Nutzen und Risiken von Probiotika zu besprechen. 

Vererbter Blutdruck
Nicht alle Menschen sind gleich. Es gibt Menschen, in dessen Familie es normal ist einen höheren Blutdruck zu haben. Es bleibt hier die Frage offen, ob diese den höheren Blutdruck auch besser tolerieren können. 

Weitere Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, die für bestimmte Menschen blutdrucksenkend wirken.
Knoblauch (Wirkung mehrfach nachgewiesen – Studie), Zwiebeln, Olivenöl (Studie), Brennessel-Tee (durch die entwässernde Wirkung), Grüner Tee (Metaanalyse, Metaanalyse 2), Chilli (kurzfristige Erhöhung aber eventuell langfristige Effekte zumindest im Tierversuch),  Schwarzkümmelöl (eventuelle Blutdrucksenkung – mehr Studien sind  erforderlich.  – Artikel) und Fischöl (wenn, dann nur kleiner Effekt – Metaanalyse). 

Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, bei denen unterschiedliche Studien gegenteilige Ergebnisse hatten: 
Walnüsse (Pro: Studie, Kontra: Metaanalyse),  Vitamin D (Gemischt: Metaanalyse),  Vitamin Q10 (Kontra: Studie, Pro: Studie)

Blutdruckmedikamente eher abends nehmen
Eine neue Untersuchung weist darauf hin, dass Blutdrucksenker eher abendes eingenommen werden sollten, da sie so besser das Risiko von ungünstigen Herzkreislauf-Ereignissen reduzieren (Studie)

Bewegung
Um Bluthochdruck vorzubeugen, eignet sich Sport in besonderem Maße (Studie)

Moderate Bewegung kann einen positiven Effekt auf hohen Blutdruck haben. Gemütliches Joggen, Gartenarbeit, die Wohnung aufräumen, langsames Schwimmen, zügiges Spazieren, spaßiges Tischtennis, angenehmes Tanzen, draußen Fahrrad fahren,  aber auch andere Sport- und Bewegungsarten sind bei hohem Blutdruck sehr zu empfehlen. Gerade wenn es Spaß macht und entspannt, kann der Sport auch dazu dienen Stress abzubauen.

Bei stark erhöhten Blutdruck, sollten Sie vermeiden, Sport wettkampfmäßig zu betreiben, vor allem dann, wenn er von Ihnen Leistungsspitzen abverlangt. Wenn Sie z. B. ins Fitnessstudio gehen, sollten Sie eher leichtere Gewichte nehmen und dafür aber mehr Wiederholungen machen. Bei Sport sollten Sie außerdem niemals die Luft anhalten. Wenn Sie sehr außer Atem sind, es Ihnen schwindelig, oder unwohl ist, sollte sie eine Pause machen oder für den Tag damit aufhören. Gute wäre auch, bevor Sie mit dem Sport wieder anfangen, sich vorher mit einem Arzt abzusprechen. Dieser kann Ihre persönliche Fitness einschätzen und Sie dahingehend beraten mit welchem Sport Sie wie anfangen können. 

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Bildnachweis Artikelbild (Mann mit Herz in der Hand): 123rf.com / Ben Schonewille / Bild-ID: 73188066 (S)